16.12.2015 Mittwoch Die Bäderschließung durch die Hintertür

Olaf Hollfelder, Vorsitzender der DLRG Höcherberg

Das Hallenbad Bexbach - geschlossen.

Wie private Betreiber die DLRG zum Aufgeben zwingen

Olaf Hollfelder, Vorsitzender der DLRG Ortsgruppe Höcherberg, kann seinen Ohren kaum trauen: Ab Beginn der Herbstsaison nach den Sommerferien legt der neue private Betreiber seines Trainingsbades die Miete fest. Und der verlangt 75 Euro. „Und das pro Bahn pro Stunde! Wie soll das gehen?“ fragt Hollfelder kopfschüttelnd. Bei fünf Bahnen macht das 375 Euro für ein einstündiges Training pro Woche, rund 16.000 Euro im Jahr. Für eine DLRG-Ortsgruppe ein schier unerreichbarer Betrag.

Dabei hat seine Ortsgruppe schon bis zu diesem Schock eine wahre Odyssee hinter sich. Erst im Sommer 2013 musste die 350 Mitglieder starke DLRG Höcherberg den Verlust ihres seit fast 40 Jahren genutzten Hallenbades in Bexbach verkraften. Die Meldung, dass man ab September im 11 Kilometer entfernten Homburg unterkommen könne, war in dieser Zeit zumindest ein kleiner Trost. Dennoch hat sich durch die Entfernung die Zahl der wöchentlichen Trainingsteilnehmer von 90 auf 40 mehr als halbiert.

Dann kam der Entschluss der Stadtverwaltung in Homburg ein neues Bad zu bauen, das den Namen „KOI“ tragen soll. Die Freude über das moderne und ansprechend gestaltete neue Bad währte allerdings nicht lange. Denn nachdem die Höcherberger im Januar 2015 das Training im „KOI“ zunächst zu den bisherigen Bedingungen der Stadt Homburg aufgenommen hatten, meldete sich nach den Sommerferien der private Betreiber des „KOI“ Gregor Korda mit seinen Konditionen. „Als wir gehört haben, dass wir mit 75 Euro pro Bahn und Stunde angeblich noch gut davonkommen, weil Herr Korda zunächst 205 Euro verlangt haben soll, waren wir fassungslos.“ beschreibt Hollfelder die Reaktion seiner Ortsgruppe.

Dabei wirft er dem Betreiber gar nicht mal generell vor, dass dieser ein Objekt mit Gewinnerzielungsabsicht betreibe, wenngleich: „Würden wir die Bahnen im „KOI“ im Interesse einer geordneten Ausbildung nicht komplett mieten müssen, und könnten wir stattdessen einfach mit unseren Trainingsteilnehmern den normalen Eintritt zahlen, kämen wir deutlich günstiger davon.“

Aber ein privater Betreiber rechnet eben anders, er kalkuliert den Betrag, der ihm durch die „Reservierung“ des Bades durch einen Verein während dieser Zeit vermutlich entgeht. Aus diesem Grund haben Vereine bei privaten Betreibern generell keinen leichten Stand. Das mussten auch schon DLRG Ortsgruppen erleben, die im „Calypso“ in Saarbrücken trainieren. Auch dieses Bad wurde einige Jahre lang von Korda betrieben. Damit dort auch Vereine Zugang haben, zahlt die Stadt neben einen jährlichen Betriebskostenzuschuss von mehr als 770.000 Euro noch einmal 67.000 Euro an den Betreiber.

Und manchmal gehen private Betreiber beim Kampf um Badegäste und Einnahmen sogar noch weiter: Im Jahr 2013 hat der Calypso-Betreiber den Verantwortlichen der Stadt Saarbrücken sogar empfohlen, Konkurrenz-Bäder zu schließen, weil dadurch die Besucherzahlen des von ihm betriebenen Spaßbades gesteigert werden können.

Auch im „KOI“ muss ein Zuschuss aus öffentlichen Mitteln her. Für die ebenfalls im dort trainierende DLRG Ortsgruppe Homburg übernimmt die Stadt Homburg die Mehrkosten, ebenso für den Zugang von Schulen für den Schwimmunterricht. Auch Hollfelder hat sich für seine DLRG Ortsgruppe bei der Stadt Bexbach um einen Zuschuss bemüht, allerdings erfolglos. Zur Begründung seiner ablehnenden Haltung ging der Bürgermeister der Stadt Homburg laut Presseberichten sogar so weit, den Bedarf an Schwimmunterricht in seiner Stadt generell in Frage zu stellen.

Angeblich sei innerhalb seiner Verwaltung vorgeschlagen worden, überhaupt einmal nach dem Bedarf an Schwimmunterricht zu fragen. Zudem versucht er den Eindruck zu erwecken, dass auch die Bexbacher Eltern kein Interesse daran hätten, dass ihre Kinder Schwimmen lernen, indem er äußert, es gäbe auch einige Eltern, die den Schwimmunterricht für ihre Kinder nicht befürworten, vor allem nicht im Winter. Dennoch wurde vom Stadtrat beschlossen, die notwendigen Zuschüsse für das Schulschwimmen zu zahlen. Die DLRG Ortsgruppe jedoch lässt man im Regen stehen.

So zeigt sich am Beispiel „KOI“ nicht zum ersten Mal, dass es eine Milchmädchenrechnung  ist, wenn die öffentliche Hand versucht, die Daseinsfürsorge ihrer Bürger in die Hände von Unternehmen zu vergeben. Sowohl die enormen Zuzahlungen zum „Calypso“ in Saarbrücken, als auch die Zuschussregelung für die Ortsgruppe Homburg im „KOI“ zeigen, dass es letztlich auch bei diesem Modell nicht ohne öffentliche Gelder geht; dann allerdings im Gegensatz zum Eigenbetrieb ohne jede Einfluss- und Gestaltungsmöglichkeit.

Hinzu kommt, dass solche Betreiber- oder auch Konzessionsverträge häufig nur eine begrenzte Laufzeit haben und in der Regel für neue oder energetisch sanierte Bäder geschlossen werden. Und die laufen meist dann aus, wenn erste Erneuerungen oder Reparaturen anfallen; dann geht das inzwischen zumindest abgenutzte Bad meist zurück in die Verantwortung der Stadt. Ein nagelneues Bad aber hätte in den ersten 5 bis 10 Jahren vermutlich auch die öffentliche Hand zumindest kostendeckend betreiben können, anstatt dem privaten Betreiber noch zusätzlich horrende Zuschüsse für Schul- und Vereinsschwimmen zu zahlen.

Olaf Hollfelder und seine DLRG Ortsgruppe Höcherberg werden jetzt wohl als allerletzte Rettungsmaßnahme versuchen, über höhere Mitgliedsbeiträge die notwendigen Mittel für die Badbenutzung aufzubringen. Sollte das funktionieren, zahlen DLRG-Mitglieder den Gewinn eines privaten Badbetreibers während die Städte und Kreise vermutlich weiterhin gerne auf die auf Kosten der Mitglieder ausgebildeten Rettungsschwimmer  zurückgreifen. Sollte die DLRG Höcherberg die horrende Miete des Betreibers auf diese Art jedoch nicht aufbringen können, erlebt sie zum Zweiten Mal eine Bäderschließung, quasi durch die Hintertür.

Kategorie(n)
Hallenbadsituation

Von: Oliver Zangerle

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