21.11.2014 Freitag Meine Meinung

Oliver Zangerle, 45, ist Vizepräsident und Pressesprecher des Landesverbands Saar der DLRG (Foto (c): Thomas Wieck)

Landesverbands-Vizepräsident Oliver Zangerle zur Entwicklung rund um das Albert-Schweitzer-Lehrschwimmbecken in Dudweiler

Hans-Joachim Gottfreund, seit nunmehr 12 Jahren Vorsitzender der DLRG Dudweiler, schmeißt hin. Sein Schatzmeister, Albert Kurtzemann, seit 8 Jahren im Amt, tut es ihm gleich. Einer von vielen üblichen, unvermeidlichen "Generationenwechseln"? Keineswegs!

Es sind Frust und Enttäuschung, die den beiden die Kraft zum Weitermachen geraubt haben. Dabei lief alles einmal so gut: Rund 100 Kinder haben bei der DLRG Dudweiler im Lehrschwimmbecken der Albert-Schweitzer-Grundschule Jahr für Jahr das Schwimmen gelernt. So viele, wie sonst nur in ganz wenigen DLRG-Ortsgruppen. Eine tolle Leistung, die mit viel Aufwand und Einsatz verbunden ist. Ein persönlicher Aufwand, den die ehrenamtlichen Ausbilder immer gern auf sich genommen haben. Für die gute Sache. Für das einmalige und unbeschreibliche Erlebnis, dass ein Kind durch sie das Schwimmen gelernt hat.

Ich kenne dieses Gefühl. Seit 1997 bin ich selbst Inhaber des Lehrscheins der DLRG, viele dieser berührenden Momente durfte ich seitdem selbst erleben. Aus diesem Grund kann ich auch den Frust sehr gut nachvollziehen, dem diese beiden letztlich nachgegeben haben.

Wirtschaftlichkeit und Weitblick?

Eins vorweg: Auch wir in der DLRG sind uns der knappen Kassen durchaus bewusst. Auch uns ist klar, dass die vorhandenen Mittel der Städte und Gemeinden im Saarland sorgsam und mit Weitblick eingesetzt werden müssen, mehr denn je. Doch kann hier tatsächlich von „Wirtschaftlichkeit“ und „Weitblick“ die Rede sein?

Das Drama um das Albert-Schweitzer-Lehrschwimmbecken begann relativ harmlos: Zunächst wurde bekannt, dass der Motor der Entlüftungsanlage defekt ist. Kostenpunkt hierfür: 15.000,- Euro. Die wurden allerdings nicht investiert. Kurz darauf wurde vom Saarbrücker Sportdezernent schon ein Betrag von 100.000,- Euro genannt, im März 2014 kursierte gar eine Summe von 240.000,- Euro, die zur Wiederinbetriebnahme des Lehrschwimmbeckens erforderlich sein soll. Scheinbar nach dem Motto "Wer bietet mehr?" wurde zuletzt behauptet, die Sanierung würde 300.000,- Euro verschlingen. Die eigenständigen Untersuchungen der DLRG Dudweiler übrigens ergaben einen Sanierungsbedarf von etwa 40.000,- Euro. Wirkt das auf Sie seriös? Oder bemüht? Auf mich nicht! Die Tatsache, dass dieser Tage dem Calypso durch die Stadt eine „Super-Rutsche“ für 650.000,- Euro hingestellt wird, steht zwar nicht im direkten Zusammenhang, zeichnet aber ein deutliches Bild davon, wo in Saarbrücken Schwerpunkte gesetzt werden.

Die eiligst von der Stadtverwaltung ins Leben gerufene Aktion „Ich lerne Schwimmen“ kann darüber nicht hinwegtäuschen, ganz im Gegenteil. Wer in seiner Presseveröffentlichung zu der Aktion richtigerweise äußert, dass Kinder in Schwimmkursen nicht nur Schwimmen lernen, sondern auch Selbstbewusstsein gewinnen, andererseits den ehrenamtlichen Einsatz der Dudweiler Ausbilder auf diesem Gebiet aber offenbar derart geringschätzt, zeigt keine klare Linie.

Das Rumgeeier führt zu Frust

Und genau dieses Vorgehen, dieses "Rumgeeier", das Anführen immer höherer Sanierungskosten, die vermutlich schlichtweg durch das Nichtinvestieren viel geringerer Beträge zu einem früheren Zeitpunkt begründet sind, alles das hat diese beiden verdienten DLRG-Ausbilder und Vorstände schließlich so frustriert, dass sie "den Kram hinschmeißen". Bitter, dass davon nicht etwa die Frustverursacher im Rathaus, sondern die Dudweiler Kinder betroffen sind.

Als Ausbilder-Kollege kann ich das sehr gut nachfühlen. Bis zum Lehrschein investiert ein DLRG-Ausbilder, inklusive der vorgeschriebenen Rettungsschwimm- und Erste-Hilfe-Ausbildung, insgesamt 152 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten. Das sind 114 Stunden Freizeit, die motivierte DLRG-Mitglieder der Allgemeinheit opfern, um bestens gerüstet im Lehrschwimmbecken zu stehen und Kinder zu Schwimmern zu machen und ihnen damit ganz nebenbei auch auf dem Weg zu mehr Selbstbewusstsein und einer sicheren Freizeitgestaltung weiter zu helfen. Zum Erhalt der Prüfberechtigung sind darüber hinaus jährlich Fortbildungen zu investieren - lebenslang. Hinzu kommt der wöchentliche Schwimmkurs, der ebenfalls etwa 1,5 Stunden inklusive Vor- und Nachbereitung verschlingt. Bezahlung Fehlanzeige. Die verlangt auch keiner unserer Ausbilder, denn wir wissen, wie wichtig diese Arbeit für die Bevölkerung ist. Das einzige, was wir verlangen, ist die notwendige Infrastruktur, also ein geeignetes und gut zugängliches Bad.

Wenn dann, nach all diesem persönlichen Einsatz, politisch Verantwortliche wie im Fall der DLRG Dudweiler nicht einmal dazu bereit sind, dann ist der Frust vorprogrammiert. Und wer könnte das nicht nachvollziehen?

Irgendwann reicht's!

Als Vizepräsident des DLRG-Landesverbandes befürchte ich natürlich, dass auch anderenorts die Kraft, sich ehrenamtlich für die Sicherheit unserer Mitbürger einzusetzen, von politischer Seite auf diese Art regelrecht verbraucht wird, und auch andere Ausbilder zu der unumgänglichen Feststellung gelangen: "Irgendwann reicht‘s!". Sollte es tatsächlich auf breiter Front soweit kommen, wird das heute noch vorhandene Ausbildungsangebot der DLRG im Saarland über viele Jahre hinweg nicht wieder aufzubauen sein, selbst wenn man dann seitens der Verantwortlichen eine Kehrtwendung hinlegen sollte. Und das ist prekär vor dem Hintergrund, dass schon heute bei 75 % unserer Ortsgruppen die Schwimmkurse ausgelastet sind, wir also schon heute die Nachfrage an Schwimmkursen mit den uns zur Verfügung gestellten Bäderzeiten nicht befriedigen können.

Auch das Land ist in der Pflicht

Es muss etwas passieren in unserem Land. Und da nehmen wir als DLRG auch das Land in die Pflicht, denn Schwimmen einerseits in den Lehrplan zu schreiben, sich andererseits aber nicht an der notwendigen Infrastruktur zu beteiligen, das ist uns zu halbherzig. Das können wir Saarländer, erfahren im Organisieren, eigentlich besser!

Lassen Sie uns deshalb gemeinsam hart und diszipliniert dafür arbeiten, dass das Saarland nicht zum Land der Nichtschwimmer wird! Wir, die DLRG, sind wie schon seit Jahrzehnten dazu bereit. Und, um einen ehemaligen Saarland-Slogan aufzugreifen: Wir fangen schon mal an...

Eines noch am Rande: Eine Hexenjagd löst das Problem in Dudweiler sicher nicht. Dennoch kommt man nicht umhin, zu bemerken, dass der Verantwortliche für die aktuelle Bädersituation in Dudweiler  derselbe ist, der nach SZ-Berichten auch für das Scheitern einer gemeinsamen Rettungsleitstelle im Saarland, sowie für die offenbar unzumutbare Situation der Berufsfeuerwehr Saarbrücken zumindest mitverantwortlich ist.
Vielleicht sollte Oberbürgermeisterin Charlotte Britz zumindest das Thema Bäder zur Chefsache machen. Die Bedeutung des Themas für kommende Generationen rechtfertigt das allemal.

 

Die Zahlen, die beim Thema Bäderschließung im Raum stehen werden meist immer größer. Hierzu hat sich Oliver Zangerle hier so seine Gedanken gemacht.

 

 

 

Kategorie(n)
Für Mitglieder, Hallenbadsituation

Von: Oliver Zangerle

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